Seit 25. März 2006 steht sie bei den Händlern und wartet auf ihre neuen Besitzer - die neue BMW R 1200 GS Adventure. Sie soll die Lücke füllen, die durch die Einstellung der R 1150 GS Adventure Ende 2004 entstanden ist; sie stellt die Weltreisen- oder Weltenbummlervariante der R 1200 GS dar. Die BMW R 1200 GS Adventure definiert den Maßstab für das unverwüstliche Abenteuermotorrad schlechthin neu. Sie ist lt. BMW Motorrad die perfekte Synthese aus Agilität, Tourentauglickeit und Geländetauglichkeit. Ihr Einsatzgebiet wird gemeinhin mit Slogans wie 'explore your horizon', 'Zelten im Himalaya' und/oder vielleicht doch eher mit 'locker durch die Gegend düsen' oder sogar 'zünftig Biergartenbesuchfahren in die Menterschwaige oder Waldwirtschaft' treffend beschrieben?!
Wie auch immer, die neue Adventure ist jedenfalls wieder so ein Mordsdrum; im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin bringt sie für mich aber eine Reihe positiver Eigenschaften mit, da sie ein von Grund auf anderes Motorrad (sowohl im Vergleich R 1150 GSA als auch zur R 1200 GS) ist!
Aber in einer Sache ist die neue wie die alte Adventure! Schon allein von ihren Dimensionen, dem Gewicht und der Sitzhöhe her ist sie Motorrad für große Jungs und Mädels - unter 1.85m Gardemaß tut man sich mithin schwer im Umgang mit der Dicken. Typen mit sonnenverbrannter und ledriger Haut oder entsprechende Amazonen sollen laut dem von BMW propagandierten Weltreise-Anspruch mit Tonnen von Gepäck durch die Wüste schippern, den Dschungel durchpflügen, tiefsten Matsch und/oder die wildesten Flußdurchquerungen meistern (und so auch ein lesenswerter Artikel von Timo Großhans in der Welt vom März 2006).
Richtig ist, dass die Eckdaten der R 1200 GS Adventure quasi nach Abenteuer und Reise oder zumindest lange Distanzen schreien. Prinzipiell eignet sich der Boxer mit seinem tiefen Schwerpunkt trotz des beachtlichen Gesamtgewichts auch hervorragend (na ja, ein paar Einschränkungen sind wohl doch angesagt) für den Hardcoreeinsatz. Ein 33l-Tank ist für sehr lange Etappen und ein weitmaschiges Tankstellennetz gut (und für mich ganz wichtig: bauartbedingt habe ich jetzt wie bei R 1200 GS einen excellenten Knieschluß mit meinen langen Beinen, die jetzt sogar völlig hinter den dicken Backen der Adventure Platz finden). Die serienmäßigen Sturz- und Tankschutzbügel schirmen die empfindlichsten Seiten der Maschine ab, nach unten sichert ein Motorschutz. Die Adventure soll mit dieser Ausstattung auch schon einmal schadlos einen Umfaller vertragen?! Längere Federwege als die normale GS- Version (bei der Adventure hier sind es 210 vorn und 220 Millimeter hinten) stecken weitgehend die Schläge auf unebenem Gelände weg. Geniale Alu-Boxen (Zubehör - gefertigt von TT) oder alternativ etwas preisgünstigere Zega-Boxen (aber nur, wenn man das Standardsystem wählt!) aus dem Hause Touratech dienen der Gepäckaufnahme. Eine leistungsfähige 720 Watt Lichtmaschine lädt die Batterie und versorgt die Bordelektronik, an der ja zumeist der Bremskraftverstärker, dass GPS Navigationsgerät und die Heizgriffe hängen und bedient werden wollen.
Bereits ohne Zubehör wirkt die Adventure wieder richtig breit und ausladend und bei weitem nicht so filigran wie die 'normale' GS, und mit dem Alukoffer-System von BMW/Touratech kommt sie daher wie eine schwangere Wuchtbrumme und wiegt auch wieder an die 270 Kilo; der Grund für die 31 Kilogramm Mehrgewicht findet sich vor allem in der erweiterten Serienausstattung (Tank, Schutzbügel, etc.). Auch wenn Mehrgewicht an sich fast immer einen negativen Touch hat und der GS die gut 30 kg etwas Spritzigkeit nehmen, so hat es auch seine guten Seiten: die ADV ist absolut spurtreu und legt bei weitem nicht mehr so ein nervöses Fahrverhalten wie die 'normale' GS an den Tag.
So schön sich die Adventure auf normalen Straßen fährt, nämlich wesentlich besser und spürbar leichtfüßiger als die alte GSA (habe ich mir sagen lassen) und wesentlich stabiler und satter auf der Straße liegend als die R 1200 GS (selbst erfahren), ein paar Zweifel hinsichtlich der Sinnhaftigkeit dieses Motorrads ergeben sich natürlich immer. Etwa, ob dieser gewichtige Eisenhaufen von einem Motorrad bei einer Wüstendurchquerung nicht doch zur Belastung wird; oder ob es eine normale GS nicht genauso gut oder sogar besser macht; oder ob eine BMW für solche Sachen überhaupt das richtige Motorrad ist und nicht eine KTM oder ähnliches mit der nötigsten Ausstattung die bessere Wahl wäre? Eine Antwort hierauf oder hinsichtlich dem Sinn einer solchen Maschine wird man hier genau so wenig finden wie sonst wo - der Kauf eines Motorrads ist meines Erachtens in erster Linie eine 'Bauchsache' und nur in zweiter Linie, wenn überhaupt, eine Entscheidung des Verstandes.
Der Adventure wird man (zumindest mit mir oben drauf) wohl kaum oder nur sehr selten in der Wüste oder in ähnlich unwirtlichen Gefilden begegnen - wohl eher dann und wann im Allgäu, in den Alpen oder am Gardasee - also an Örtlichkeiten, wo man am Strand, im gediegenen Lokal oder auf einer sonnigen Veranda sitzen kann, bei einem gediegenem Bier noch einmal stolz die gemeisterte Herausforderung Revue passieren lassen und mit Gleichgesinnten Benzingespräche führen kann.
Fazit: wirklich gut ist dieses große Motorrad für große (lange) Menschen. Jungs (und natürlich auch Mädels) mit einem Maß von 1.80/1.85m oder mehr sowie mit ordentlich Schmackes in den Armen, also Typen unter denen eine normale GS verschwindet, kriegen mit der neuen GSA etwas zum anpacken. Also genau die Richtige für mich. ;-)!
Mir 'passt' die GSA jedenfalls so gut, dass ich mir nach zwei Jahren und 20.000 km quasi das gleiche Motorrad noch einmal gekauft habe. Quasi das gleiche Motorrad, weil sich in den zwei Jahren seit der Markteinführung doch so einiges geändert hat. So hat BMW Motorrad beim 2007er Modell auch auf den einen oder anderen Missstand reagiert und so z.B. den Sturz- und Tankschutzbügel sowie die Abdeckung des Auspuffzwischenrohres und des Endtopfs mit einer andern Beschichtung bzw. Lackierung versehen, um die Rostanfälligkeit dieser Bauteile zu minimieren. Gleichzeitig wurden aktuelle Technologien eingeführt oder zumindest verbessert. Zu nennen sind hier u.a. das neue ABS mit Teil-Integralfunktion ohne Bremskraftverstärker, das neu entwickelte ASC (Automatic Stability Control) und RDC (Reifendruckkontrolle).
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