Nach dem die Berichte über die doch zahlreichen (vermeintlichen?) Kinderkrankheiten in den letzten Monaten des Jahres 2004 doch arg rückläufig waren und ich zu allem Überfluss eine äußerst lukrative Bezugsquelle auftun konnte, habe ich mich im Dezember 2004 nach langem Zögern dann doch entschlossen, meine heiß geliebte Hummel in gute Hände abzugeben und mir eine neue R 1200 GS zuzulegen.
Mit der Frage nach dem 'wieso und warum?' will ich mich hier nicht großartig auseinandersetzen, denn es gibt aus meiner Sicht, insbesondere weil ich mit meiner Hummel (fast) ohne Einschränkungen zufrieden war, keine wirklich überzeugenden sachlichen Argumente für den 'Fahrzeugwechsel'; die Laufleistung und das Alter der R 1150 GS und damit verbundene Anfälligkeiten wären auf den ersten Blick evtl. eine Begründung (oder besser Entschuldigung?!), erweisen sich bei näherer Betrachtungsweise aber als haltlos. Egal, denn in Wirklichkeit geht's bzw. ging's hier nur um eines: 'Haben will!!!'
Bestimmte Erwartungen setzte ich natürlich schon in die neue GS; welche das im Einzelnen waren und immer noch sind, möchte ich anhand eines Testberichts aus dem Reise Motorrad Magazin 3/2004 zumindest ansatzweise spezifizieren:
1.) Wegfall des altertümlich anmutenden Chokes bzw. der manuellen Drehzahlerhöhung
für den Startvorgang;
2.) verbessertes Koffersystem, das einfach per Hebelbetätigung in Sekundenschnelle von 37 auf 46
Liter Stauraum rechts sowie von 28,5 auf 37,5 Liter links erweitert werden kann;
3.) 30 Millimeter tiefer gelegte Fahrerfußrasten für einen angenehmeren Kniewinkel;
4.) verbessertes Getriebe ohne Gangspringer und Hakeln, bei dem sogar der erste Gang auf Anhieb
sitzt;
5.) 10 - 20% geringerer Spritkonsum je nach Fahrweise;
6.) dank tiefen Schwerpunkts und verringerten Gewichts nochmals verbesserte Handlichkeit
gegenüber der 1150er.
Kurz und bündig zusammengefasst: ich erwartete mir also eine eierlegende Wollmilchsau, die locker in der Lage ist, meine fahrerischen Defizite auszubügeln bzw. auszugleichen! ;-) Weitere Testberichte gibt es in Massen; als weitere Referenz hab' ich mal einen vielleicht nicht ganz so ernst zu nehmenden Testbericht der Buckeltourer Motorradfreunde e.V. heraus gesucht. ;-)
Die Hoffnung, dass meine Erwartungen nicht all zu hoch gegriffen waren und die Neue auch wirklich das hält, was sie auf zwei Probefahrten und in Hechlingen angedeutet hat und was ihre Bewunderer sowie die Verantwortlichen von BMW versprochen haben, hat sich weitgehend erfüllt; ich für meinen Teil hatte mich schon sehr auf das Frühjahr 2005 und damit auf die R 1200 GS gefreut und wie es jetzt aussieht, war diese Vorfreude in keinster Weise unberechtigt! :-)
Ein paar Schwachpunkte, wenn man sie denn überhaupt so nennen darf, habe ich aber ausgemacht: zum einen der doch etwas flachere Lenker , der das Stehendfahren doch ziemlich erschwert und zum zweiten die teilweise miese Qualität einzelner Schrauben und Schweißnähte; wenn man in dieser Hinsicht nicht ständig am Kontrollieren und Schmieren ist, wird die Q schnell zur Gammelkuh.
Nicht unbedingt gelungen ist m.E. der Hauptständer mit seinem ungünstigem Befestigungspunkt. Das Aufbocken geht mit der 12er im Vergleich zur 1150er bei gleichem Handling ungleich schwerer von der Hand, hier muss die eigene Technik entsprechend angepasst werden. Beim Radausbau -anders als bei der R1150GS- muss der Vorderbau der Q unterstützt werden, damit die ganze Gaudi nicht nach vorne kippt :-(. Ach ja, das Tanken und die Tankanzeige sind wohl auch nicht das Wahre - die letzten sechs, sieben Liter Sprit muss man quasi betteln, damit sie sich in den 20L-Tank bequemen; zudem steht die Anzeige 150km auf rammelvoll, um dann mit einem Satz auf halbvoll runter zu fallen.
Alles in allem nichts Schlimmes, aber bei einem Motorrad mit Premiumanspruch und jeder Menge HighTech wohl nicht ganz nachvollziehbar?!
Was mich aber viel mehr ärgert, ist die Preispolitik von BMW-Motorrad, dank derer mittlerweile so Selbstverständlichkeiten wie der kleine Plastikzylinderschutz, die verchromten Krümmer, das bis dato obligatorisch gut sortierte Bordwerkzeug und nun sogar die Ersatzzündschlüssel zu aufpreispflichtigen Extras mutierten, bzw. wegrationalisiert wurden.
Wem der mitgelieferte Notschlüssel aus Plastik suspekt ist, der kann natürlich einen oder mehrere Ersatzschlüssel als Extra für ca. 30,- EUR/Stück ordern. Den Ergänzungssatz zum ehemals vorbildlichen Bordwerkzeug kann man unter der Teilenummer 71 60 7 691 294 ebenfalls als 'Nützliches Zubehör' für lächerliche 58,00 € bestellen; in Anbetracht des geradezu jämmerlichen Umfangs des Standard-Bordwerkzeugs ist diese Anschaffung oder eine anderweitige Aufrüstung aber auf jeden Fall eine Überlegung wert. BMW-Motorrad begründet die Reduzierung des Bordwerkzeugs u.a. mit den immer weiter abnehmenden Platzressourcen aufgrund neuer Technologien wie Steuergeräte für ABS, elektronische Fahrwerksverstellung, Diebstahlwarnanlage oder Elektronische Wegfahrsperre sowie der Erkenntnis, dass das Bordwerkzeug nur von einem verschwindend geringen Teil der Kunden genutzt wird. Im Übrigen ermögliche das Werkzeug weiterhin Arbeiten wie den Austausch defekter Glühbirnen und Fahrzeugsicherungen, die Nutzung der Einstellmöglichkeiten der Feder- und Dämpferelemente sowie die Anpassung der verstellbaren Ergonomieumfänge. Wie man unschwer erkennen kann, eine mehr wie haltlose und fadenscheinige Begründung! Ich für meinen Teil habe mit dem Werkzeug der 1150er die halbe Q auseinander und wieder zusammen gebaut - und ich sehe auch nicht, dass sich bei der R 1200 GS von August bis Oktober 2004 platzmäßig etwas geändert hätte!